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Feingehaltsstempel, Herstellerstempel, Punzen...
 
Manchmal sind sie da, Feingehaltsstempel, Herstellerstempel, Punzen, ... Manchmal sind sie ausgeschrieben, so daß es recht einfach ist, sie zu bestimmen. Die "938" für den Silberfeingehalt bei Preußischen Orden sollte jeder kennen, oder auch die Hersteller, wie z.B. "Hossauer". Von Zeit zu Zeit findet man jedoch schon mal nicht so einfach zu identifizierende Punzen. Einige lassen sich jedoch meistens mit der herkömmlichen Literatur nachschlagen, so daß sie einem das Alter eines Stückes oder den Hersteller verraten. Andere...
Mich nervten einige Zeit lang drei Punzen. Es war mir nicht möglich herauszufinden, wofür sie gestzt waren. Ich fand sie jedoch auf den verschiedensten Ordenszeichen and den verschiedensten Orten, ohne System.

Da sind sie nun: Ein E.T., eine Eule und ein Schwan. Eigentlich war es der Schwan, der mir zuerst begegnete.

Zu aller erst - es handelt sich bei den Stempeln um Französische.

Ihre Bedeutung:
 

a) Stempel für Gegenstände aus Gold oder Silber, importiert aus Ländern ohne Handelsvertrag mit Frankreich, 1864-93 (ohne Garantie des Feingehalts).
b) Stempel für Gegenstände (mit geringem Feingehalt) bei Herkunft von Versteigerungen und Leihhäusern oder bei Gegenständen mit Kunst- oder Seltenheitswert, seit 1893.

auf einem Zaehringer Loewen Komthurkreuz aus der Stiftungszeit gefunden

Stempel für Gegenstände aus Gold, importiert aus Ländern ohne Handelsvertrag mit Frankreich, seit 1893. Hier Beispiel einer Punze an der Bandringöse eines Großkreuzes des Roten Adler Ordens.

klicken zum Vergroessern (auf Preussen: Grosskreuz Roter Adler Orden)

Stempel für Gegenstände aus Silber, importiert aus Ländern ohne Handelsvertrag mit Frankreich, seit 1893. Schwanen Punze

Österreichische Punzen auf Deutschen Orden:

Sechseckige Punze für importierte Gegenstände aus Silber "AV". Sie zeigt links oben ein kleines A, die Kontrollamtspunze für Wien. Gefunden auf eine Nadelrückseite und Nadelhaken eines Großkreuzsterns des Albrecht Ordens 1.Modell.

Für nach Österreich importierte Orden aus Silber änderte sich die Punze von AV ab 1902 auf ein geflügeltes A.

Nachstehend Stempelmarken Deutscher Ordenshersteller:

Stempel des berühmten Preußischen Ordenherstellers J.G. Hossauer. (Zylinder eines Roten Adler Ordens 3.Klasse 2. Modell)

Stempel der Goldschmiedewerkstatt Humbert & Sohn in Berlin. Man firmierte ab 1799 in Konkurenz zu Hossauer und stellte Orden bis ca. 1865 her.

Stempel des Ordenherstellers Hermann Julius Wilm, geb. 27. Januar 1812, gest. 1907, auf dem Zylinder eines Roten Adler Ordens 3.Klasse letztes Modells, sowie Ritzmarke W mit dem typischen Doppelstrich auf dem Zylinder eines Roten Adlers 3.Klasse in der Form um 1850. 1844 Ernennung zum Hofjuwelier.

Stempel des Ordenherstellers Wagner neben der Feingehaltspunze: 938 für vergoldetes 938 Silber. (Unterer Kreuzarm eines Kronenordens mit Schwertern in der 3.Klasse).

Ein anderes Exemplar des "W" Stempels des Ordenherstellers Wagner neben der Feingehaltspunze: 938 für vergoldetes 938 Silber. (Unterer Kreuzarm eines Silber vergoldeten Pour le Mérites).

Ritzmarke AW für Emil August Wagner. Geboren am 30. April 1826. Er lernte von 1842 bis 1846 bei Hossauer als Silberarbeiter. Im Jahre 1856 wurde er zum Hofgoldschmied ernannt und erwarb zusammen mit F.L.J. Sy die Firma J.G.Hossauer. (Ritzmarke auf dem unteren Kreuzarm eines Roten Adler Ordens 2.Klasse)

 

 

Unbekannte Herstellermarke auf einem Roten Adler Orden 3.Klasse 2.Model. Bitte um Identifizierung.

Red Eagle Order 4th class last model

House Order of Hohenzollern knights cross with swords

Die Ritzmarke FR findet sich auf Stücken der Firma Gebrüder Friedländer. Sie führten die Firma des Zadek S. Friedländer (June 26, 1801* - March 01, 1861+) im Jahre 1867 an der Adresse Schloßplatz 13 in Berlin weiter. Im gleiche Jahr wurden Sie Hofjuweliere der Preussischen Krone und firmierten Unter den Linden 28 in Berlin. Die Firma war neben Wagner & Sohn die wichtigsten Lieferanten für Orden und Ehrenzeichen an die Preussische Ordenskanzlei. Ihr Firmenzeichen findet sich neben Roten Adler Orden auch auf den Orden Pour le Mérite. 

 

Goldschmied J.H. Werners Ordensfabrik bestandt von 1885 bis 1913 in Berlin Unter den Linden 1 sowie in der Friedrichstr. 173. Er belieferte die Generalordenscommision vor allem mit den 4.Klassen des Kronenorden sowie Roten Adler Ordens.

1761 wurde die Goldschmiede Godet von Jean Godet gegründet. Die Firma Godet war eine der ersten Ordensmanufakturen in Deutschland. Unter der Leitung von Jean Fredric Godet wurde Godet im Jahre 1828 zum Hoflieferanten für Orden und Ehrenzeichen ernannt. Die Godet Familie firmierte unter J. Godet & Söhne zwischen 1864 und 1924. Hiernach wechselte der Firmenname zu  Eugen Godet & Co. In den späten 1920igern und frühen 1930igern wechselte man zuletzt zu Gebrüder Godet & Co. Punzen oben sind auf Silber vergoldeten Stücken, Punzen unten auf echt goldenen zu sehen.

Diese Marke wurde von der Ordensfirma Willibald Kluge & Co., Leipziger Strasse 71-72 in Berlin auf einen Kronenorden 3.Klasse gebracht. Diese Firma stellte haupsächlich Rote Adler und Kronenorden der 4.Klasse neben einigen Kronenorden 3.Klasse her.

Neuhaus & Sohn in der Morenstrasse 47 in Berlin fertigte seit 1885 insbesondere Rote Adler Orden und Kronenorden der 4. und 3.Klasse unter Verwendung der Ritzmarke "N". Hier eine Markung auf einem Roten Adler Orden 3.Klasse.

Eine recht selten zu sehende Ritzmarke der Firma Sy & Wagner auf einem Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern in Gold oben und auf einem Silber vergoldeten Exemplar unten. Die Firma Sy & Wagner bestand bis zum ersten Weltkrieg. Jeremie Sy und Albert Wagner übernahmen die bekannte Firma des J.G. Hossauer im Jahre 1859 und führten die lange Tradition des Goldschmiedepioniers weiter.

Stempel des Mecklenburger Ordenherstellers: H.Rose (Rückseite eines Greifenorden Steckkreuzes (links) Nadel eines Komthursterns (rechts))

Stempel des Mecklenburger Ordenherstellers: H.Rose auf der Rückseite eines Grosskreuzsterns des Mecklenburg Schweriner Hausordens der Wendischen Krone.

Markierung auf einen Komthurkreuz des Zähringer Löwen mit Schwertern aus der Zeit des 1.Weltkrieges: Hofjuwelier Zimmermann, die 58 ist eigentlich eine 585 für die Angabe des Goldgehaltes. Stempel sind manchmal verrutscht und daher schwer zu lesen.

"D" für doubliert auf badischen Orden des 1.Weltkrieges, die nicht mehr aus reinem Gold sondern nur noch vergoldet hergestellt wurden.

Markierung auf einen Komthurkreuz des Sächsichen Militär St.Heinrich Ordens aus der Zeit des 1.Weltkrieges: "R". Alfred Roesner wurde 1912 Königlicher Hofjuwelier und 1915 offizieller Ordenslieferant.

Herstelleretikett der Firma Scharffenberg in Dresden auf der Rückseite eines Großkreuzsterns des Albrecht Ordens 1.Modell

Adam Hausinger in München ist bekannt für einige frühe bayerische Orden. Die nebenstehende Punze befindet sich auf dem Bandring eines Militärverdienstkreuzes aus der Stiftungszeit.

Eduard Quellhorst ist ein weiterer bayerischer Ordenshersteller der ersten Stunde. Hier ein Michaelsorden 1.Klasse 1.Modell mit den Initialen EQ und Goldgehalt 18 Karat auf den Bandring gepunzt.. 

MVO 2.Klasse mit Schwertern aus der Werkstatt der Gebrüder Hemmerle in 750er Gold.

Nebenstehende Punze, Rosenthal, ist meines Wissens bisher nur auf einem sehr frühen Anhalter Großkreuzstern des Hausordens Albrecht des Bären sowie auf einem sehr frühen Großkreuzstern des Oldenburger Hausordens P.F.L. aufgetaucht.

T.H.Müller war Hofjuwelier & Ordensfabrikant für die großherzoglich Sachsen Weimarische Ordenskanzlei und hat seit ca. 1870 vor allem die Dekorationen des Ordens der Wachsamkeit oder vom Weißen Falken hergestellt. Die Punze links befindet sich auf einem Großkreuzstern mit Schwertern von ebendiesen Orden.

Für weitere Fragen und Anregungen bin ich immer dankbar. Die Liste wird fortgesetzt.

© A. Schulze Ising, XII/01
 
 
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