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Neue Erkenntnisse zu den Modellen des Königlich Preußischen Kronenordens
 

Mike Estelmann

 

An dieser Stelle sollen wichtige Ergebnisse Vorstellung finden, die aus Recherchen im Geheimen Staatsarchiv, Preußischer Kulturbesitz, Berlin Dahlem, resultieren. Dabei steht der Königlich preußische Kronenorden im näheren Focus. Zum einen geht es um die Frage wann der Wechsel von der sogenannten kleinen auf die große Krone stattfand und im Weiteren um eine neue Klassifizierung der Modelle des Ordens basierend auf der Auswertung bisher nicht vollständig erschlossener Quellen. Basis dieses Beitrag ist das durch den Verfasser am 25.05.2013 gehaltene Referat auf dem 16. Wissenschaftlichen Symposium der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde.

Zur Darstellung der Ausgangslage also folgende Zusammenfassung:

Bekanntlich stiftete der preußische König Wilhelm I., im Zuge der Krönungsfeierlichkeiten unter dem Datum des 18. Oktober 1861 neben einer goldenen Kette und einem Großkreuz zum Roten Adlerorden auch eine gänzlich neue Auszeichnung.

Zur Erinnerung an den Tag der Krönung und zur Ehre der preußischen Monarchie fügte er einen Kronenorden in das bestehende System der tragbaren Anerkennungen ein.

 

 

Kronenorden aus Louis Schneider

Abb. 1: Kronenorden aus Louis Schneider, Der Königliche Kronen-Orden

 

Im Rang dem Roten Adlerorden gleichgestellt, sollten die vier Klassen der nun verfügbaren Dekoration in der hierarchisch gegliederten Vergabeordnung der königlichen Gnadenbeweise ihre Funktion erfüllen. Bemerkenswerterweise sind zu diesem Orden einige Punkte bis heute ungeklärt. Eine der am häufigsten und auch konträr diskutierten Frage lautet beispielsweise, wann genau erfolgte der Modellwechsel von der sogenannten kleinen auf die große Krone?

 

Abb. 2: Medaillons des Kronenordens, hier jeweils einer 3. Klasse, links mit der kleinen und rechts mit der großen Krone

Abb. 2: Medaillons des Kronenordens, hier jeweils einer 3. Klasse, links mit der kleinen und rechts mit der großen Krone

 

Zeitgenössische Autoren wie Louis Schneider oder Friedrich Wilhelm Hoeftmann, äußerten sich zu dieser Frage leider nicht und die Spekulationen moderner Publizisten bedienen eine Spanne von 1865 – 1871. Dr. Peter Sauerwald beklagte 2001 in einem Aufsatz zum Kronenorden1, noch Folgendes. Zitat: „…Der Kronenorden in allen Klassen wurde 1861 zuerst mit der sogenannten kleinen Krone entworfen und herausgebracht. Einige Jahre später erfolgte eine Modellumstellung … es änderte sich nur die Krone im vorderen Mittelschild. Leider ist dieser Umstellungszeitpunkt, …, nicht mehr oder noch nicht exakt bestimmbar.“ Als profunder Kenner der Materie gibt er weiter an, „Eine derartige Modellumstellung konnte jedoch nicht ohne „Allerhöchste Willensentscheidung“ vorgenommen worden sein, es ist vielmehr anzunehmen, daß sie erst durch solche ausgelöst wurde, ….” Im Weiteren entwickelte er dann eine Theorie zur Feststellung des Zeitpunktes dieser Maßnahme und zieht dazu, ausdrücklich aushilfsweise, das Datum der Umstellung auf das hellere blaue Ordensband, nämlich den 25. März 1865, heran. Andre Hüsken, ebenfalls überaus kenntnisreich im Stoff, nähert sich der Frage etwas offensiver und definiert in Band 1 seiner drei Preußen-Kataloge2 das Umstellungsdatum auf das Jahr 1871 setzt jedoch, der gebotenen Vorsicht folgend, ein zirka davor und dehnte somit den Zeitraum doch stark nach oben aus. Jörg Nimmergut hingegen schreibt in seinem fünfbändigen Kompendium3 ganz fest eingestellt „1867 Aufnahme der größeren Königlichen Krone in das Medaillon des Ordenszeichens“ und fügt in Klammern gesetzt dazu (ohne schriftliche Anordnung). Andere Stimmen machen die offene Datierung beispielsweise an erhaltenen Nachlässen aus dem Krieg des Jahres 1866 fest und reflektieren die Frage nach den jeweils vorliegenden Realien. Also für die eine Fraktion erfolgte der Wechsel bereits vor dem militärischen Konflikt gegen Österreich die andere Vertretung ist dagegen überzeugt, dass die Veränderungen erst nach dem Bruderkrieg zwischen dem Deutschen Bund und dem Königreich Preußen Vollzug fanden. Je nachdem, ob in den zur Deutung herangezogenen Nachlässen, Kronenorden, verliehen mit Schwertern für auszeichnungswürdige Taten auf dem Schlachtfeld, mit kleiner oder großer Krone zu finden sind.

Bevor wir uns einer Antwort zuwenden, kommen wir jedoch vorerst zu einer weiteren Hinterfragung. Diese wirkt eher unscheinbar, dennoch trägt sie durchaus gewichtig. Häufig können wir nämlich feststellen, dass ältere am Hals oder Cordon zu tragende Orden nur einen einfachen Durchzugsring aufweisen wie hier ein Kronenorden 2. Klasse mit einfach gewundener Ringaufhängung

 

Kronenorden 2. Klasse mit einfach gewundener Ringaufhängung

Abb. 3: Kronenorden 2. Klasse mit einfach gewundener Ringaufhängung

 

und nicht den eher bekannten Doppelring wie der auf der Abbildung 4 dargestellt.

 

Kronenorden 2. Klasse mit doppelt gerundetem Durchzugsring

Abb. 4: Kronenorden 2. Klasse mit doppelt gerundetem Durchzugsring

 

An diese Wahrnehmung schließen sich nun gleich mehrere Fragen an, war das normal oder handelt es sich um Ergänzungen? Wenn auch eine solche Veränderung auf Allerhöchste Veranlassung erfolgte, dann wann?

Welchen Nutzen haben aber Antworten auf diese Fragestellungen? Sie ermöglichen es vorliegende Stücke zeitlich besser einzuordnen, präzisere Verleihungszahlen zu erarbeiten und teilweise auch Trägerabbildungen noch sicherer zu datieren. Es ist also wichtig die genauen zeitlichen Abgrenzungen zu kennen und darum nähern wir uns nun auch den Datierungen.

Im Geheimen Staatsarchiv, Preußischer Kulturbesitz, Berlin Dahlem, lagern bekanntlich zahlreiche Akten die uns Aufschluss über so viele noch offene Punkte geben können. Es ist nur sehr mühsam sich durch die Bestände zu arbeiten um auf bestimmte Fragen konkrete Antworten zu erhalten. Oft kommt dem Forscher der Zufall zu Hilfe und man findet in einer völlig unscheinbaren Archivalie Informationen die man dort eigentlich nie erwartet hätte. Anders jedoch im vorliegenden Fall, hier hat tatsächlich die gezielte Suche insbesondere nach der eingangs geschilderten Frage zum Modellwechsel und die darauf ausgelöste Einsicht der Akte zum Kronenorden aus den Beständen der Generalordenskommission, kurz der (GOK)4 zum erhofften Erfolg geführt. Denn auf Blatt 28 dieser Akte findet sich die Abschrift einer Allerhöchsten Kabinettsorder kurz (AKO) vom 04. Mai 1868 mit folgendem Wortlaut:

Abschrift No.3231

Indem ich der General Ordens Kommission die beifolgende Zeichnung mit Abbildungen zu den vier Klassen des Königlichen Kronen Ordens sowie ein dementsprechend angefertigtes Probe Exemplar der zweiten Klasse zugehen lasse, bestimme Ich, daß die neuen Exemplare des Kronen-Ordens aller vier Klassen nach dieser Zeichnung und dem Probe-Exemplar angefertigt werden sollen, daß die Ausgabe dieser neuen Ordens=Exemplare aber nur dann stattfinden soll, wenn keine der jetzt vorhandenen oder von den Hinterbliebenen verstorbener Ordensritter zurückzuliefernden Exemplare mehr vorräthig sind. Ferner bestimme Ich, daß die Ringe, an denen die Kreuze des Schwarzen Adler Ordens, des Ordens pour le mérite, des Großkreuzes des Rothen Adler Ordens, des Rothen Adler Ordens erster und zweiter Klasse, des Königlichen Kronen Ordens erster und zweiter Klasse und des Johanniter Ordens, sowie der Adler der zweiten Klasse des Hohenzollern Ordens getragen werden, länglich oval und, soweit die Ringe nicht durch das Eichenlaub verdeckt sind, an der Vorderseite doppelt angefertigt werden sollen; doch soll auch hier zunächst die Verwendung der noch vorhandenen, mit den bisherigen Ringen versehenen Ordens=Exemplare stattfinden. Berlin, den 4. Mai 1868.

gez. Wilhelm

An die General Ordens Kommission 

Blatt 29 der eingesehenen Akte, zeigt uns die an die General Ordens Kommission übersandte Musterzeichnung und es ist unschwer zu erkennen, dass dort, die uns heute vertrauten Kronenorden des Modells mit großer Krone dargestellt sind. Gleichzeitig wird auch der neue, doppelt gewundene, längliche Tragering zeichnerisch abgebildet.

Auf Blatt 30 informiert uns dann ein internes Schreiben vom 1. Januar 1869, an die Kasse der General Ordenskommission, über den Abschluss der Verleihungen der alten, noch vorrätigen Ordenskreuze durch die folgende Niederschrift.

Nachdem Se. Majestät der König durch die in Abschrift beigefügte Allerhöchste Kabinettsordre (linksseitig Anlagestrich, Anm. d. Verf.) vom 4. May 1868 mehrere Veränderungen an den Ordens-Kreuzen zu bestimmen geruht haben und die darin vorgesehene Ausgabe der noch in früherer Form angefertigt gewesenen Exemplare erfolgt ist: so erhält die Kasse hierdurch die Anweisung von jetzt ab die Ordenskreuze nach der neuen Form anzukaufen nur die dadurch entstehenden Mehrkosten, so wohl der Ordenskreuze, als der dabei nothwendig gewordenen Veränderungen einiger Klassen der Etuis aus den Tit. III des Etats für Ordens-Insignien zu zahlen.

GOK

Was können wir also nach Kenntnisnahme dieser Ausführungen als festgestellt erklären? Die Modell-Umstellung von der kleinen auf die große Krone erfolgte, durch AKO am 04. Mai 1868. Bei der GOK noch vorhandene Bestände sowie aufzuarbeitende Rücklieferungen erledigter Auszeichnungen wurden vorerst weiter verausgabt.

Mit Schreiben vom 01. Januar 1869 erhielt die Kasse der GOK die Anweisung nur noch Ordenskreuze des neuen Modells anzukaufen. Die alten Bestände waren aufgebraucht. Exemplare mit kleiner Krone dürften ab diesem Zeitpunkt wohl kaum noch zur Ausgabe gelangt sein.

Die Abänderung der Durchzugsringe, in doppelt gewundene, längliche Aufhängungen sollte dazu zeitnah ebenfalls Umsetzung gefunden haben. Es erscheint legitim, wenn wir die zuvor gewonnene Feststellung des Zeitpunktes zum Modellwechsel auch für die Einführung der neuen Ringe belasten.

Generell bleibt auch kein spekulatives Element zu diskutieren. Denn eine Frage nach der Weiterverwendung erledigter Realien, also im Weiteren zurück gelieferter Ordenskreuze, stellt sich trotz der bekannten preußischen Sparsamkeit nicht da die AKO eindeutig vom Verbrauch der “jetzt vorhandenen ……. vorräthigen” Exemplare Zeugnis gibt. Im Gegenteil, es erscheint sogar unvorstellbar, dass alte Ausführungen ab 1869 weiter zur Verausgabung kamen. Die damit Dekorierten hätten es sicher als Zurücksetzung empfunden wenn andere Beliehene bereits mit der moderneren Version des Ordens geehrt worden wären. Wir dürfen also davon ausgehen, dass der bisher nicht feststehende Umstellungszeitpunkt auf den Anfang des Jahres 1869 abzugrenzen ist. Damit können wir eine neue zeitliche Klassifizierung des Kronenordens vornehmen. Allerdings soll dies erst nach der Vorstellung von Archivalien erfolgen die ich im Weiteren präsentieren möchte.

Vorerst soll aber unbedingt noch einmal auf die anderen in der AKO vom 4. Mai 1868, erwähnten Auszeichnungen abgestellt werden. Denn ab 1869 war der längliche Doppelring für alle preußischen, am Hals oder großen Bande zu tragenden, Orden vorgeschrieben.

Die Königlich preußische Ordensliste von 1817 zeigt uns einige dekorative Abbildungen, unter anderem einen Roten Adlerorden 1. Klasse an einem einfachen Ring

 

 

Reproduktion aus der Preußischen Ordensliste 1817, Roter Adlerorden 1. Klasse, erstes Modell

Abb. 5: Reproduktion aus der Preußischen Ordensliste 1817, Roter Adlerorden 1. Klasse, erstes Modell

 

und ein Eichenlaub rückseitig ebenfalls nur mit einem einfachen Ring versehen.

 

Reproduktion aus der Preußischen Ordensliste 1817, Eichenlaub mit einfachem Durchzugsring

Abb. 6: Reproduktion aus der Preußischen Ordensliste 1817, Eichenlaub mit einfachem Durchzugsring

 

Zum Vergleich darf ein Roter Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub dienen, um die neue Ausführung auch an diesem Attribut zu demonstrieren.

 

 Roter Adlerorden 2. Klasse, Herstellermarkierung W für Wagner & Sohn, Berlin, 4. Modell mit doppelt gewundenem Ring hinter dem Eichenlaub

Abb. 7: Roter Adlerorden 2. Klasse, Herstellermarkierung W für Wagner & Sohn, Berlin, 4. Modell mit doppelt gewundenem Ring hinter dem Eichenlaub

 

Doppelringe gab es zu preußischen Dekorationen allerdings auch schon vor der Einführung der neuen Aufhängung, diese waren jedoch nicht länglich-oval sondern von runder Form wie uns die nächste Abbildung veranschaulicht.

 

Reproduktion aus der Preußischen Ordensliste 1817, früher, runder Doppelring, hier eines Ordens pour le mérite

Abb. 8: Reproduktion aus der Preußischen Ordensliste 1817, früher, runder Doppelring, hier eines Ordens pour le mérite

Widmen wir uns nun aber einer neuen Klassifizierung des Königlich Preußischen Kronenordens.

Auch diesem Themenkreis soll Vorstellung und Überprüfung der aktuellen Befund- und Faktenlage voran gestellt sein, bevor sich Antworten aus den Archivalien des Geheimen Staatsarchivs präsentieren lassen, die eine neue Klassifizierung des Kronenordens bedingen. An dieser Stelle darf ich schon der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass sich die bisherige Darstellung schnell ablösen lässt um der eigentlichen Faktenlage gerecht zu werden.

Wovon sprechen wir also im Detail? Von einem Modell des Kronenordens, dass bisher ausschließlich spekulativ beurteilt wurde.

 

Kronenorden 4. Klasse mit einer eigentümlichen, eher unpreußischen Krone

Abb. 9: Kronenorden 4. Klasse mit einer eigentümlichen, eher unpreußischen Krone

 

Bis zum heutigen Zeitpunkt waren keinerlei gesicherte Informationen dazu auswertbar. In unserem Vereinsmagazin, Orden und Ehrenzeichen, Nummer 71, Februar 2011, warnte ich in einem kurzen Aufsatz bereits vor Fälschungen dieser Ausführung, die sich trotz mangelndem Hintergrundwissens eindeutig als solche klassifizieren ließen, nicht zu letzt auch, weil sich diese extremen Raritäten als jederzeit im Internet Erwerbbar präsentierten.

 

Revers-Abblidungen, links das Original, rechts die Fälschung

Abb. 10: Revers-Abblidungen, links das Original, rechts die Fälschung

 

Die Einzelheiten dazu sollten im angezeigten Heft unbedingt noch einmal nachgeschlagen werden da an dieser Stelle auf eine erneute Thematisierung verzichtet wird. Eine seiner Zeit offen gelassene Fragestellung soll nun jedoch Beantwortung findet.

 

Avers-Abbildungen, links das Original, rechts die Fälschung

Abb. 11: Avers-Abbildungen, links das Original, rechts die Fälschung

 

Dazu sollen aber, wie für jede Untersuchung üblich, erst einmal Fragen gestellt werden und die Hauptfrage im vorliegenden Fall lautet. Wie sind Dekorationen des königlichen Kronenordens einzuordnen die sich durch diese auffällige Krone kennzeichnen?

Auf diese Kernfrage aufbauend zerfällt das Thema dann in mehrere Teilaspekte. Handelt es sich um probemäßige Exemplare demzufolge aus preußischer Produktion oder liegen hier Zweitanfertigungen unbestimmter Herkunft vor? Kommen die in Rede stehenden Orden vielleicht aus dem Ausland? Und schließlich, wie sind sie überhaupt zu datieren.

Es geht also um den eigentlichen Ursprung dieser Stücke mit der doch merkwürdig anmutenden Krone, wie sie auf den gezeigten Abbildung zu sehen sind.

Fassen wir vorerst aber noch einmal die Fakten zusammen:

Die bereits schon einmal zitierten, renommiertesten Sachautoren ihrer Zeit, Friedrich Wilhelm Hoeftmann, Geheimer Registrator bei der Königlich Preußischen General Ordenskommission und Louis Schneider, Vorleser Seiner Majestät des Königs und als Autor vieler ordenskundlicher Werke wohl bekannt, überlieferten uns auch diesbezüglich keine Aufklärungen. Obwohl beide Zeitzeugen waren finden die hinterfragten Ausführungen weder eine direkte noch eine andeutungsweise Angabe in ihren Werken. Erst heutige Autoren widmeten sich dieser Materie, dies allerdings mit verschiedenen Interpretationen. Im bereits erwähnten Artikel fasste ich die Sachlage schon einmal zusammen, daher soll hier nur noch ein kurzer Überblick zur Kenntnis gebracht werden. Jörg Nimmergut schreibt zu diesem Thema in Band 2 seines fünfbändigen Handbuchs5, dass von der kleinen Krone des 1. Modells zwei Varianten zu unterscheiden sind. Er deklariert die Version mit der eigentümlich anmutenden Krone mit dem Kleinbuchstaben a und die geläufige, übliche kleine Kronenform mit dem Kleinbuchstaben b.

 

Kronenorden 4. Klasse mit der bekannten kleinen Krone

Abb. 12: Kronenorden 4. Klasse mit der bekannten kleinen Krone

 

Weiterhin führt er aus, dass die Form b die häufigere Ausführung ist. Quellenangaben für diese Ideen finden sich im angesprochenen Handbuch allerdings nicht. Dr. Sauerwald geht in seinem Artikel über den Kronenorden im OMM 976 von einer nicht-probemäßigen außer-preußischen Zweitanfertigung aus. Vermutlich stammen diese aus Österreich, da zum einen eine frappierende Ähnlichkeit mit der österreichischen Kaiserkrone bestünde und es im Weiteren auch Verleihungen in größerem Umfang an Zivil- und Militärpersonen der Doppelmonarchie gab, woraus sich ein gewisser Bedarf herleiten ließe. Diese Einordnung erschien bis heute als die wahrscheinlichste, da es im Grunde extrem ungewöhnlich sein dürfte, dass es keinerlei offizielle Aufzeichnungen zu diesem Thema geben sollte. Davon nicht überzeugt war offensichtlich Andre Hüsken. Er erklärte in Band 1 seiner drei Preußen Kataloge7 den Sachverhalt etwas anders und ordnete die Variante mit den fraglichen Kronen originär in die Modellreihen des Ordens ein womit schließlich folgende drei Formen zur Katalogisierung kamen.

Die erste Form, mit der “merkwürdigen” Krone. Die zweite mit der geläufigen kleinen Krone und die dritte mit der großen Herrscherinsignie.

 

 Kronenorden 4. Klasse mit großer Krone

Abb. 13: Kronenorden 4. Klasse mit großer Krone

 

Eine Abstufung für die ab November 1916 in vergoldetem Silber zu fertigen Exemplare nahm Andre Hüsken allerdings nicht vor. Lediglich bei der preislichen Bewertung der Stücke erfolgte eine Abgrenzung. Die Sichtweise Hüskens setzte sich in den damit befassten Kreisen allerdings nicht durch, zum einen erschien diese eher unwahrscheinlich und zum anderen fehlte auch hier jede Angabe von überprüfbaren Bezügen.

Wenden wir uns also der Auswertung von belastbaren Quellen zu. Einmal mehr konnte das Geheime Staatsarchiv in Berlin Dahlem als ergiebige Fundstelle genutzt werden. In der Akte zum Kronenorden8, archiviert unter der I. HA in den Beständen der Generalordenskommission, fand sich ein ziemlich schwer lesbarer Vorgang der grundsätzlich nichts mit den eigentlichen Fragen zu tun hatte, aber im Verlauf der Transkription des Textes überraschende Aufklärung bot. Auf den Blättern 32 und 33 der Akte wandte sich nämlich die Kasse der General Ordenskommission (GOK) an den Präses, General der Infanterie und Generaladjutant Sr. Majestät des Königs, von Bonin,

 

GdI von Bonin, Präses der GOK vom 09.12.1869 – 16.04.1872

Abb. 14: GdI von Bonin, Präses der GOK vom 09.12.1869 – 16.04.1872

 

um von diesem eine Genehmigung zur Veräußerung älterer nicht mehr auszugebender Ordenskreuze zu erhalten. Um welche Kreuze es sich dabei handelte ergibt sich aus dem Schreiben und darf nun vollständig transkribiert zur Kenntnis gebracht werden.

Berlin, den 18. August 1870 No. 5141 Blatt 32

Gehorsamste Anzeige

Durch die Allerhöchste Urkunde vom 18. Oktober 1861 haben Se. Majestät der König einen neuen Orden, unter der Benennung – Königlicher Kronen Orden – in vier Klassen gestiftet.

Die drei ersten Klassen haben golden emaillierte Kreuze und die vierte Klasse ist von bronce Metall die Kreise im Mittelschild auf Silberplatten emailliert, die Krone und der Namens-Zug in Silber geprägt und vergoldet. Die ersten Exemplare wurden der General Ordens Kommission bei der Krönungs-Feierlichkeit in Königsberg überliefert. Nach kurzem tragen der Kreuze zeigte sich, daß die auf Silber emaillierte Inschrift nicht haltbar war, indem die Vergoldung auf den emaillierten Rändern, wie von dem Namenszug und der Krone sich so schnell abrieb, daß das Silber sichtbar wurde was zu dem gelben Metall des Kreuzes sehr häßlich abstach. Es wurde deshalb angeordnet die Ringe der Kreise auf Gold zu emaillieren und zugleich die Krone im Mittelschild zu verändern, da die erste zu sehr einer Bischofsmütze glich. In dieser zweiten Form wurde das Kreuz bis zum 4. Mai 1868 ausgegeben, wo Se. Majestät der König eine dritte Veränderung desselben befahlen. Danach sollte nämlich die Krone im Mittelfelde eine andere größere Form erhalten, dagegen die emaillierte Ringplatte schmaler werden, durch welche Veränderung die zweite Form des Kreuzes ebenfalls unbrauchbar wurde. Die Kreuze der ersten Form sind nach Empfang der höheren Klasse und durch Ableben ihrer Inhaber größtenteils zurückgegeben. Von der zweiten Form die mehrere Jahre lang verliehen wurde sind noch einige in Gebrauch. Die zurückgekommenen alten Kreuze sind von der Ordenskasse angenommen worden und befinden sich noch bei derselben. Da die Kreuze in bronce geprägt sind, so können die alten Exemplare nicht an die Königliche Münze zur Einschmelzung abgegeben werden, indem dieselbe unedles Metall nicht scheidet. Um den Werth zu ermitteln ist daher der vereidigte gerichtliche Taxator, Juwelier Neuhaus ein fachliches Gutachten abzugeben ersucht worden. Nach dessen Erklärung hat ein Kreuz der ersten Ausgabe auf Silber emailliert 5 4 Silbergroschen Metallwerth. Ein Kreuz mit golden emaillierten Schriftplatten 19 25 Silbergroschen Metallwerth. Ein Kreuz dieser Art mit Schwertern 1 rth 25 Sg Metallwerth ein Kreuz mit der Zahl 50 am Ringe 19 25 Silbergroschen Metallwerth.

Euer Exzellenz bitten wir um eine Bestimmung ganz gehorsamst, ob die bei der Ordenskasse vorhandenen alten Kreuze der vierten Klasse des Kronen Ordens zu dem Taxpreis verkauft werden können.

gez. (nicht lesbar, Anm.d.Verf.) und Lehmann

Genehmigt – Berlin, den 19. August 1870

von Bonin – General der Infanterie und General-Adjutant Sr. Majestät des Königs

Welche Erkenntnisse dürfen wir aus diesem Schreiben jetzt extrahieren. Ganz klar, dass die Kronenorden mit der sonderbaren, im Schreiben als zu sehr einer Bischofsmütze gleichend beschriebenen Kronen, sehr wohl als eigenes und zwar erstes Modell des Ordens festzuschreiben sind. Andre Hüsken lag an dieser Stelle also richtig mit seiner Ableitung und Jörg Nimmergut war nicht weit weg von der Realität mit seiner Darstellung. Alle anderen Theorien können nun ad Acta gelegt werden. Die jetzt erschlossenen, Quellen gestützten Fakten, müssen jedoch weiter qualifiziert werden, denn mit den zeitlichen Einordnungen lag Andre Hüsken nicht im Bereich der nachweisbaren beziehungsweise wahrscheinlichen Realitäten. Zuvor soll jedoch noch auf zwei weitere Dokumente verwiesen werden. Nämlich dem Gutachten des Juweliers Neuhaus zur Bewertung der nicht mehr benötigten Ordenskreuze und der erhaltenen Anweisung die nicht mehr zu verwendenden Insignien zum Metallwert zu verkaufen. So heißt es auf Blatt 34 der betreffenden Akte.

Sachverständiges Gutachten für die Königl. General=Ordens=Commission, über Kronen Orden IV Classe von vergoldeter Bronce.

Nachdem ich dieselben genau geprüft habe stellt sich folgendes Resultat heraus:

Von 10 Stück Kronen Orden alter Form Schriftränder Gold, beträgt der Schmelzwerth durchschnittlich

á 1.. = 1O….. (eine weitere Zahl oder ein Zeichen nicht lesbar, Anm.d.Verf.)
1 dito mit Schwertern á 1.. 25
1 dito, die Schriftränder Silber á ” 5 Sgr.

Dieses Gutachten nehme ich auf meinen generaliter geleisteten Eid.

Berlin, den 16ten August 1870

C. E. Neuhaus – vereidigter Taxator des Königl. Stadtgerichts
Neues sachverständiger Gutachten hier 18/5.80
…=21. Control. Nr. 16

Blatt 35 informiert uns anschließend über die Verwertung der überzähligen Dekorationen.

Berlin, den 19, August 1870 ad No. 5141

An die Kasse der General Ordens Kommission

Da die Königliche Münze die aus bronce gefertigten Kreuze des Kronen Ordens vierter Klasse nicht zur Einschmelzung überwiesen werden können, weil dieselbe unedle Metalle nicht scheidet:

So erhält die Kasse hiernach die Anweisung die alten zurückgekommenen Kreuze des Kronen Ordens vierter Klasse gegen Zahlung des Metallwerths aus dem Insignien Bestand abzugeben und den Erlös an die Königliche General Staatskasse gegen Quittung abzuführen.

GOK

vB (mit Sicherheit das Kürzel des Generals von Bonim, Anm.d.Verf.)

Nähern wir uns jetzt also den Einordnungen der einzelnen Modelle. Wie bereits ausgeführt befahl Wilhelm I. am 4. Mai 1868 die Einführung der sogenannten großen Krone.

Im ersten Teil des Beitrages wurde dargelegt, dass die endgültige Umsetzung dieser AKO auf den Anfang des Jahres 1869 festzulegen ist. Diese zeitliche Festschreibung darf nun als Orientierungspunkt zur Einordnung des ersten Modells dienen. Die erschlossenen Angaben auf den Blättern 32 und 33 geben uns darüber hinaus weitere Anhaltspunkte zur Abgrenzung. So ist beispielsweise die Rede davon, dass, Zitat: “Die ersten Exemplare wurden der General Ordens Kommission bei der Krönungs-Feierlichkeit in Königsberg überliefert. Nach kurzem tragen der Kreuze zeigte sich, daß die auf Silber emaillierte Inschrift nicht haltbar war…. Zitat Ende”. Zusätzlich wurde auch die Form der Krone missbilligend erwähnt und die Anweisung die 4. Klasse zukünftig auch auf Gold zu emaillieren dokumentiert. Wichtig zur Ausarbeitung einer zeitlichen Abfolge erscheint auch das folgende Zitat: “Von der zweiten Form die mehrere Jahre lang verliehen wurde sind noch einige in Gebrauch.”

Aus diesen Aussagen lässt sich nun folgender Zeitstrang ableiten. Die 1. Form, die Krone ähnelt eher einer Bischofsmütze,

 

Kronenorden 4. Klasse mit der bekannten kleinen Krone

Abb. 15: Kronenorden 4. Klasse mit der bekannten kleinen Krone

 

dürfte wohl nicht all zu lang verausgabt worden sein. Es erschein realistisch hier das Ende des Jahres 1862 anzuführen. Dies jedoch ausdrücklich spekulativ. Die 2. Form, mit der allseits bekannten kleinen Krone ist demzufolge in den Bereich 1863 – 1868 zu datieren. Damit wird Folgendes offensichtlich.

 

 Stern zum Kronenorden 2. Klasse, 1. Modell

Abb. 16: Stern zum Kronenorden 2. Klasse, 1. Modell

 

Die nun als 1. Modell zu klassifizierende Ausführung des Kronenordens, mit Bischofsmütze, gehört zu den absoluten Raritäten preußischer Dekorationen.

In den sicherlich bekannten Bildbänden Karsten Klingbeils, hier speziell Teil 3 Preußen9, sind bei der Fülle des abgebildeten Materials lediglich zwei Exemplare des 1. Modells zu betrachten.

Die eigentliche Existenz, sowohl des 1. Modells mit der Bischofsmütze als auch des 2. mit der kleinen Krone darf wohl zu den unaufklärbaren Kuriositäten der preußischen Ordensnomenklatur gezählt werden. Bisher konnte keine schlüssige Erklärung für das Vorhandensein dieser beiden Ausführungen entwickelt werden. Vergleichen wir einmal folgende Fakten, 1847 schnitten die Medailleure der Königlichen Münze die Stempel für die neuen Allgemeinen Ehrenzeichen 2. Klasse und zwar mit großer Krone.

 

Vergleich des Allgemeinen Ehrenzeichens 2. Klasse in alter und neuer Form

Abb. 17: Vergleich des Allgemeinen Ehrenzeichens 2. Klasse in alter und neuer Form

 

Dass wundert nicht, denn bereits kurz davor ließ König Friedrich Wilhelm IV. die bis dahin übliche kleine preußische Königskrone durch das größere Modell auf den Zahlungsmitteln des Königsreich Preußens ersetzen. Im gleichen zeitlichen Umfeld, ganz konkret am 18. Mai 1842, befahl der König übrigens auch die Anfertigung der zuerst als Armeemedaille gestifteten, später als Rote Adler Medaille bekannten Auszeichnung die somit das erste Zeugnis für die neue Form der Königskrone auf Auszeichnungs-Realien darstellt.

 

 Am 18.05.1842 von Friedrich Wilhelm IV. als Armeemedaille gestiftet, später zur Rote Adler Medaille gewandelt

Abb. 18: Am 18.05.1842 von Friedrich Wilhelm IV. als Armeemedaille gestiftet, später zur Rote Adler Medaille gewandelt

 

Auch der 1851 mit einer königlichen Abteilung in die Reihe der rein preußischen Auszeichnungen aufgenommene Hausorden von Hohenzollern, wurde bereits mit der bekannten großen Krone überhöht.

 

Hausorden von Hohenzollern, Komturkreuz

Abb. 19: Hausorden von Hohenzollern, Komturkreuz

 

Wie konnte es nach der Stiftung der Armeemedaille, im Jahre 1861 also fast 20 Jahre später nach der ersten Umstellung auf große Kronen, zur Absegnung einer so seltsamen, ja im Grunde völlig unpreußischen Kronenform kommen? Und wie konnte selbst nach einer für damalige Verhältnisse zügig eingeleiteten Abschaffung der 1. Form mit der Bischofsmütze wieder die veraltete, kleine Krone das Mittelschild des noch jungen Ordens zieren.

 

Kronenorden - Bildvergleich der drei Kronen

Abb. 20: Bildvergleich der drei Kronen

 

Fragen auf die auch die eingesehenen Akten leider keine Antworten liefern. Vorgänge dazu fehlen gänzlich und demzufolge leider auch Entwurfszeichnungen oder Genehmigungen selbiger. Deshalb hätten Spekulationen darum auch eher den Charakter von Gute Nacht Geschichten und so bleiben diese Fragen möglicherweise auf Dauer unbeantwortet. Feststellen dürfen wir jedoch, dass die Umstände der Stiftung des Kronenordens in Gänze etwas unbeständig wirken bedenkt man, dass 1862 bereits eine Änderung der Trageweise des Cordons erging, ab da von links nach rechts und nicht, wie ursprünglich bestimmt, völlig unpreußisch, von rechts nach links. 1864 die zusätzliche Verleihung von Schwertern auch für diesen Orden ermöglicht wurde und 1865 die Bänder generell eine neue Farbe erhielten. Gepaart mit den hier vorgestellten Umstellungen darf daher wohl legitimer Weise eine gewisse Unordnung bei der Stiftung reklamiert werden und dies obwohl Wilhelm I sich bereits seit 1859, also noch als Prinzregent, mit der Schaffung dieses Ordens beschäftigte, wie uns Louis Schneider in seinem Buch zum Königlichen Kronen-Orden glaubhaft macht. Selbst Staatsministerium und Zivilkabinett waren rechtzeitig im Boot und dennoch muss es zum Oktober 1861 hin etwas hektisch geworden sein da selbst die Veröffentlichung der Stiftungsurkunde auf die Zeit nach der Krönung verschoben werden musste. Sie war nämlich inhaltlich noch nicht final besprochen, wie wir heute sagen würden und so erfolgte ihre Publikation dann erst am 18. Januar 1862. Übrigens, Louis Schneider gehörte zu den Erstausgezeichneten mit dem neuen Orden, er muss also nach heutigem Kenntnisstand das erste Modell mit der Bischofmütze erhalten haben, ein Grund mehr der für Verwunderung sorgt und das fehlen von zeitgenössischen Erklärungen zu dieser Ausführung mehr als merkwürdig erscheinen lässt. Hat der König vielleicht höchst persönlich Veröffentlichungen unterdrückt weil er selbst die Entwürfe lieferte. Dafür spricht einiges, berichtet doch Schneider10 hierzu Folgendes, Zitat: “Die Zeichnungen zu den Insignien prüfte und verbesserte der Prinz-Regent selbst” und es findet auch Erwähnung, dass er sich mehrfach Vortrag über die, Zitat: “eigenhändig niedergeschriebenen Bestimmungen, für die Form, die Embleme und die Beziehung des neu zu stiftenden Ordens”, Zitat Ende, halten lies. Es spricht also vieles für eine direkte Urheberschaft des Souveräns, aber nachweisen können wir das leider nicht und da das Terrain der Gebrüder Grimm diesen auch vorbehalten bleiben soll richtet sich der Blick besser auch wieder ausschließlich auf belegbare Fakten und diese lauten, der Kronenorden hat ein Modell mehr als bisher von der Mehrzahl der Phaleristen vermutet. Andre Hüsken hatte Recht mit seiner Klassifizierung. Allerdings bedürfen diese eine andere zeitliche Ordnung und inhaltliche Ergänzungen. Somit ergibt sich nun folgende Katalogisierung:

 

Katalogisierung des Preußischen Kronenordens

 

1. Modell mit Bischofsmütze / Okt. 1861 – ca. Ende 1862 / Vierte Klasse auf Silber emailliert.

 

Kronenorden 4. Klasse, 1. Modell

Abb. 21: Kronenorden 4. Klasse, 1. Modell

 

2. Modell mit kleiner Krone / 1863 – 1868

 

Kronenorden 3. Klasse, 2. Modell

Abb. 22: Kronenorden 3. Klasse, 2. Modell

 

3. Modell mit großer Krone / 1869 – 1916

 

Kronenorden 2. Klasse, 3. Modell

Abb. 23: Kronenorden 2. Klasse, 3. Modell

 

4. Modell mit großer Krone / 1917 – 1918

 

Kronenorden 1. Klasse, 4. Modell, vergoldetes Silber

Abb. 24: Kronenorden 1. Klasse, 4. Modell, vergoldetes Silber

 

Besonders solche Fakten wie die hier demonstrierten Tatsachen, welche die bisherigen Sichtweisen in großen Teilen revidieren, bedürfen einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfbarkeit um die Voraussetzungen zur Etablierung im ordenskundlichen Kontext zu schaffen. Es darf wohl mit Recht davon ausgegangen werden, dass die vorgestellten und interpretierten Dokumente diese Notwendigkeit mehr als ausreichend erfüllen und so dürfen wir gespannt sein, ob die Ablösung bisher dogmatisierten Wissens gelingt.

Warum klingt hier eine gewisse Skepsis durch? Weil es ganz einfach aktuellen Erfahrungen entspricht, dass trotz neuer Erkenntnisse an alten, längst überholten Darstellungen festgehalten wird. Dieses, nennen wir es vorsichtig Phänomen, hat zwei ganz bekannte Elternteile, Ego und Kommerz genannt. Zum einen fällt es etablierten Autoren immer wieder schwer ihre einst publizierten Erkenntnisse nun zu den Akten legen zu müssen und andererseits ergeben sich teilweise sogar handfeste rechtliche Konsequenzen. Beispielsweise durch die Anfechtbarkeit ausgestellter Expertisen.

Doch auch Autoren und Herausgeber von Fachbüchern und Katalogen stehen der Notwendigkeit zur umfangreichen Überarbeitung ihrer regelmäßig neu aufgelegten Werke leider oftmals sehr unwillig gegenüber. Aber, trotz des Verständnisses für die dadurch generierten Kosten und entstehenden Umstände, muss festgestellt werden, dass es notwendig ist.

Der Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums sollte durchaus auch solchen generellen Gedanken Raum bieten. Denn gerade die Phaleristik stellt sich in ihrer wissenschaftlichen Darstellung doch sehr objektorientiert dar. Viele Mainstream- Lehrmeinungen basieren einzig auf der Beurteilung und Auswertung vorliegender Realien. Tatsächliche Quellenforschung ist eher weniger ausgeprägt in unserer Disziplin.

Objektorientierte Beurteilungen führen jedoch meist zu extrem unterschiedlichen Interpretationen da sie hauptsächlich auf subjektiver Wahrnehmung basieren. Ein Umstand der kritikwürdig erscheint. Dazu kommt, dass Quellenangaben oft gar nicht überprüft werden. Können wir dann tatsächlich von nachgewiesenen historischen Erkenntnissen sprechen. Oftmals leider nicht. Im Gegenteil. Fast schon dogmatisch werden Meinungen wiedergegeben ohne grundsätzlich hinterfragt zu werden insbesondere unter den Aspekten “Woher weiß er das und wo kann ich das nachlesen” und damit unterscheiden wir auch nicht zwischen wirklichem Wissen und einer subjektiv entwickelten Meinung. Dieser Beitrag soll mit einem Aufruf enden. Nämlich, gesicherte Erkenntnisse durch weiterführende Forschungsbemühungen, durch statistische Leistungen und der Erschließung archivarischer Quellen zu generieren.

Am Ende einer solchen Recherche steht dann auch immer die Notwendigkeit zur Überprüfbarkeit von Hypothesen und Modellen. In wie weit die etablierten Protagonisten hier Kritikfähigkeit und Veränderungswillen mitbringen wird die Zukunft zeigen.

Diese, doch kritische Sichtweise wollte ich gern auf den Weg bringen da der Rahmen dieser Veranstaltung als äußerst geeignet dafür erscheint.

Danksagung:
Herr Dr. Peter Sauerwald übte wie gewohnt keine Zurückhaltung bei der Unterstützung mit aussagekräftigem Bildmaterial. Dafür sei ihm herzlich gedankt.

Anmerkung:
Bei der Übertragung der Quellentexte wurde grundsätzlich die Originalfassung wiedergegeben. Demzufolge entspricht die Orthografie nicht den heute üblichen Regeln.

Literatur und Quellen:
1 Sauerwald, Peter, Der Königlich Preußische Kronen Orden der 1. Klasse Geschichte, bildlich und statistisch, Orden–Militaria–Magazin 95, S. 2 bis 9, Steinau an der Straße, 2001.
2 Hüsken, Andre, Katalog der Orden, Ehrenzeichen, Auszeichnungen und … unter Berücksichtigung des Deutschen Reiches, Band 1, Kurfürstentum Brandenburg … Orden des Königreiches Preußen, H. M. Hauschild GmbH, Bremen, 2001, S. 190.
3 Nimmergut, Jörg, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, Band II, Limburg – Reuss, S. 876, München 1997.
4 Geheimes Staatsarchiv, Preußischer Kulturbesitz, Berlin Dahlem, I. HA Rep. 168 Generalordenskommission, Abt. A Sekt. II Lit. a. Nr. 4a, Bl. 28, 29 und 30.
5 Nimmergut, Jörg, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, Band II, Limburg – Reuss, S. 877, München 1997.
6 Sauerwald, Peter, Der Königlich Preußische Kronen Orden der 3. Klasse Geschichte, bildlich und statistisch, Orden – Militaria – Magazin 97, S. 14 bis 19, Steinau an der Straße, 2001.
7 Hüsken, Andre, Katalog der Orden, Ehrenzeichen, Auszeichnungen und … unter Berücksichtigung des Deutschen Reiches, Band 1, Kurfürstentum Brandenburg … Orden des Königreiches Preußen, H. M. Hauschild GmbH, Bremen, 2001, S. 188/189.
8 Geheimes Staatsarchiv, Preußischer Kulturbesitz, Berlin Dahlem, I. HA Rep. 168 Generalordenskommission, Abt. A Sekt. II Lit. a. Nr. 4a, Bl. 32 – 35.
9 Klingbeil, Karsten, Orden 1700 – 2000, Band 3 Preussen, Edition 2008, Buchdruckerei GO Druck-Media-Verlag, Kirchheim unter Teck, S. 157, Nr. 1776 und 1777.
10 Schneider, Louis, Der Königliche Kronen-Orden, Nachdruck Berlin 1914, Verlag Heinrich Stern, S. 6 und 10.

© A. Schulze Ising, X/2013

 
 
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